Grotenburg-Stadion 1986 bis heute
Die Grotenburg Krefeld: Von der Kampfbahn zum Stadion

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Sommerpause 1986: Abriss der “Alten Tribüne” an der Nordseite, Verlegung des Spielfeldes nach Süden und Bau der heutigen Nordtribüne als reine Sitzplatztribüne mit 6.010 Sitzplätzen. Gleichzeitig Abriss der alten “Zookurve” (Ostkurve) und Bau eine neuen, nun direkt hinter dem Tor stehenden Stehplatztribüne in zwei Schritten. Die Kapazität der Ostkurve wurde zunächst mit 12.000 Zuschauern angesetzt, mittlerweile ist sie auf rund 10.780 Zuschauer gesenkt worden (siehe auch unten).

Ausverkauftes Haus (28.000 Zuschauer) u. a. beim Rückspiel im Europapokalhalbfinale am 16.04.1986 gegen Atletico Madrid (2:3).

Ebenfalls in der Sommerpause 1986: Modernisierung der Südtribüne (Bau der neuen Kabinen, die sich zuvor unter der “Alten Tribüne” befanden sowie von modernen Presseplätzen. Durch die Neubauten verlor die Grotenburg ihre Leichtathletikbahn und wurde zu einem reinen Fußballstadion. Lediglich an der Westseite verblieb die alte Laufbahn - doch dies sollte nur ein Provisorium sein (siehe unten). Der Name des Stadions wurde dem veränderten Gesicht folgend von “Grotenburg-Kampfbahn” in “Grotenburg-Stadion” geändert.

P.S: In Publikationen wird häufig behauptet, auf dem Dach der Nordtribüne könne man sehen, dass der Name “Kampfbahn” gegen “Stadion” ausgetauscht wurde - eine dunkle Betonstelle am Stadiondach zwischen den Worten “Grotenburg” und “Krefeld” wird dafür als Beweis genommen. Das stimmt aber nicht. Bevor der Schriftzug “Grotenburg-Stadion Krefeld” auf das Dach gesetzt wurde, prangte an dieser Stelle ein Schild mit dem Krefelder Wappen und Stadtnamen (auf dem Foto unten zu erkennen). Neben den Stadionnamen kam nach der Umbenennung des F.C. “Bayer” 05 Uerdingen in KFC Uerdingen 05 1995 noch das KFC-Wappen an das Stadiondach.

Luftbild des Grotenburg-Stadions Ende der 1980er Jahre
Fotoquelle: Sport in Wort und Bild (Hrsg.) 2005: KFC 100 - Hundert Jahre Krefelder Fußball Club Uerdingen 05


Schematische Darstellung der Grotenburg nach der
grundlegenden Umgestaltung Ende der 80er Jahre.

Blockeinteilung Grotenburg-Stadion seit Mitter 1980er Jahre


Der Umbau der Grotenburg war Konsequenz des sportlichen Aufstiegs der Uerdinger mit der Etablierung in der Bundesliga, dem Gewinn des DFB-Pokals 1985 und der Teilnahme am Europapokal der Pokalsieger. Krefelds Oberbürgermeister Dieter Pützhofen hatte nach dem Pokalsieg öffentlich „ein neues Stadion“ „versprochen“. Die Planungen sahen vor, ein komplett überdachtes Stadion (Kapazität: 40.000) entstehen zu lassen, in dem neben der Südtribüne alle anderen drei Tribünen neugebaut werden sollten. Die Nordtribüne ist ein Teil des Modells, die neue Ostkurve wurde konstruktiv so geplant und gebaut, dass eine spätere Überdachung problemlos möglich war. Durch die Installation der neuen Anzeigetafel wurden die Pläne zur Überdachung der Ostkurve erst mal ad acta gelegt.

Nach dem ersten Bauabschnitt der Ostkurve fasste das Stadion knapp 30.000 Zuschauer. Ausverkauftes Haus im Hinspiel des UEFA-Pokalachtelfinalspiels Uerdingen vs. C.F. Barcelona am 26.11.1986. Das 0:2 gegen die Katalanen war das bis heute letzte Europapokalspiel in Krefeld.

Nach Abschluss der Bauarbeiten an der Ostkurve fasste die Grotenburg 35.700 Zuschauer - die bis heute größte Zuschauerkapazität des Stadions! Der vorletzte Schritt (neben der Überdachung der Ostkurve) der Ausbaupläne jener Jahre ist jedoch nie erfolgt: Der Umbau der Westkurve.

03.03.1990: Einweihung der neuen farbigen digitalen Anzeigetafel auf der Ostkurve beim Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt (1:1). Das Fassungs-
vermögen ist auf 34.500 Zuschauer korrigiert. Die neue Anzeigetafel ersetzt die alte, handbediente Anzeigetafel, die seit 1984 auf der Westkurve thronte und u. a. das legendere 7:3 im Europapokal gegen Dynamo Dresden anzeigen durfte oder den
1:0-Sieg der Uerdinger über Bayern München in der Bundesliga-Saison 1985/86. Die alte Anzeigetafel steht heute in der Hubert-Houben-Kampfbahn am Krefelder Appellweg - der Heimat des KTSV Preußen Krefeld.

Beim Spiel Uerdingen 05 vs. VfL Bochum am 08.05.1994 wird der Gästekeeper Andreas Wessels von der Ostkurve aus von einem Stück Trockeneis am Kopf getroffen. Das Spiel (3:1-Sieg für Uerdingen) wird annuliert und am 31.05. erneut in der Grotenburg angesetzt. Diesmal siegt Uerdingen mit 3:0. Als Folge des Trocken-
eiswurfes verschwinden diese Kühlbrocken nicht nur nach und nach aus allen Stadien in ganz Deutschland, vor der Ostkurve wird auch ein Ballfangzaun errichtet.

Sommerpause 1994: Ende der doppelten Blockbezeichnungen in der Grotenburg. Die bisher jeweils von A bis H durchnummerierten Sitzplatzblöcke erhalten die Bezeichnungen A bis E (Nordtribüne von West nach Ost) bzw. K bis O (Südtribüne Ost nach West). Auch die Stehplatzbereiche erhalten nun Blockbezeichnungen
(F bis I in der Ostkurve, P und Q für die überdachten Stehplätze Süd; und S und R in der Westkurve).

Neuer Zuschauerrekord am 05.11.1994: 34.500 Zuschauer in der ausverkauften Grotenburg beim Bundesliga-Spiel gegen Bayern München. Der gerade nach Uerdingen heimgekehrte Stephan Passlack erzielte in der 90. Spielminute den vielumjubelten Ausgleichstreffer zum 1:1 mit der Schulter.
 

Blick von der Westkurve in das Grotenburg-Stadion Anfang des 21. Jahrhunderts
Foto: Der kleinste Fanclub der Welt 1998


1998/99: Umbaupläne des Linzenzspielleiters, Sponsors und Bauunternehmers Hermann Tecklenburg. Am Standort der Grotenburg sollte das “Grotenburg-Center” entstehen. Als alternativen Standort bringt Tecklenburg das geplante “Urban Entertainment Center” (UEC) in Fichtenhain im Süden Krefelds an der Autobahn 44 gelegen ins Spiel.
 

Modellskizze des geplanten "Grotenburg-Center" Ende der 1990er Jahre
Grafikquelle: Extra Tip, Ausgabe vom 13.06.1999


Gleichzeitig sehen die Lobbyisten des Krefelder Zoos eine andere Verwendung der Grotenburg und planen diese in den Zoo zu integrieren. Die Bausubstanz sollte dabei sogar erhalten bleiben! Als Ersatzspielort für den KFC sollte ein neues Stadion am Stadtrand entstehen (bspw. in Fichtenhain oder am Elfrather See).

2005: Umbaupläne eines Investors, dessen Name bis heute nicht veröffentlicht wurde, der die Grotenburg umbauen und mit einer zusätzlichen Kleinarena versehen will.

2006: Im WM-Jahr finden in der Grotenburg gleich zwei Fußball-Länderspiele statt: Am 04.06. treffen zwei ausländische A-Nationalmannschaften in Krefeld aufein-
ander. Mazedonien schlägt die Türkei vor 5.550 Zuschauern mit 1:0. Am 03.08. des gleichen Jahres nimmt die deutsche Damen-Nationalmannschaft mit einem 5:0-Sieg gegen Italien Revanche für die Halbfinalniederlage der Herren-Nationalmannschaft bei der WM wenige Wochen zuvor. 16.000 Zuschauer verfolgen das Spiel, das auch live in der ARD ausgestrahlt wird.

2009: Am 21.04. wird der neue Kunstrasenplatz hinter der Südtribüne übergeben. Der Platz ist als Ersatz für den Aschesportplatz hinter der Westkurve (“ViolArena”) gebaut worden, der im Rahmen der Zooerweiterung als Bauplatz für den neuen Wirtschaftshof gedacht ist. Der Kunstrasenplatz (nebenbei die größte bauliche Veränderung in der Grotenburg seit der Errichtung der Anzeigetafel auf der Ostkurve 1990) ist neben Trainingsplatz auch Spielort für die 2. Mannschaft des KFC, die 2009 den Aufstieg in die Kreisklasse B schafft.

Im Herbst 2009 findet auf dem Gelände des Grotenburg-Stadions eine Hunde-WM statt. Für das Ereignis werden auf den 4 Tribünen zusätzliche Fluchtwege einge-
richtet - durch Demontage von Sitzschalen auf den Sitztribünen bzw. durch Verkürzung der Wellenbrecher an den Blockübergängen auf der Ostkurve. Die äußeren Sitzplatzblöcke K und O der Südtribüne erhalten zusätzliche Entfluchtungs-
treppen in die vorgelagerten Stehplatzbereiche (Blöcke P und Q). Durch diese Maßnahmen sank die Zuschauerkapazität des Stadions. Ohne das die Zahl offiziell bestätigt ist, kann man davon ausgehen, dass das Fassungsvermögen heute bei
ca. 34.000 Zuschauer liegt.
Im Rahmen der Arbeiten im Vorfeld der Hunde-WM wurden auch die uralten Wegweiser in den Eckbereichen Südtribüne / Ostkurve und Südtribüne / Westkurve erneuert. Sie wiesen noch über 20 Jahre nach dem Bau der neuen Nordribüne die nunmehr “ältere” Südtribüne als “Neue Tribüne” aus.

2010: Am 06.09. trifft die U19-Nationalmannschaft Deutschlands in einem Freundschaftsspiel auf die Auswahl Dänemarks. Ca. 2.500 Zuschauer in der Grotenburg und eine Vielfaches dessen an den Bildschirmen (Der TV-Sender “Sport1” übertrug die Partie live) sehen einen verdienten 3:0-Erfolg des deutschen Nachwuchses. Die Verantwortlichen der Stadt Krefeld sehen in diesem Länderspiel eine “Bewerbungsmappe” im Wettbewerb um die Nominierung als Spielort für die U19-Europameisterschaft 2013. Im Nachgang zum Länderspiel zeigte sich der DFB sehr zufrieden mit den Bedingungen in der Grotenburg.

Am 31.10. wird der Supporters-Bereich “Block K” auf der Südtribüne in
“Franz-Raschid-Block” umbenannt. Am 22.10. verstarb das Uerdinger Urgestein im Alter von nur 56 Jahren. Raschid war bereits 1975 Bestandteil der Aufstiegs-
mannschaft in die Bundesliga. Bis zu seinem Abschied aus der 1. Mannschaft 1988 erlebte Raschid alle Höhen und Tiefen des Vereins in dieser Epoche.

2012: Auf dem Dach der Haupttribüne wird Krefelds größte Solaranlage auf einem Gebäude errichtet.
Im Herbst wird bekannt, dass der niederländische Investor Hessel Meijer der Stadt Krefeld vorschlägt, ein neues Fußballstadion zu errichten. Diskussionen über die Rahmenbedingungen und den Standort beginnen. Bei Realisierung des Projektes soll die Grotenburg abgerissen werden. In der Sportausschuss-Sitzung am 07.05.2014 gibt Sportdezernent Thomas Visser dann bekannt, dass das Konzept von der Stadt Krefeld nicht weiter verfolgt wird (kein passendes städtisches Grundstück, Zentrenkonzept steht den vom Investor gewünschten Einzelhandelsnutzungen im Zusammenhang mit dem Stadion entgegen).

2013: Im Juni sperrt die Stadt Krefeld die Stehplatzbereiche der Grotenburg, da die seit 2002 zu beachtenden Sicherheitsvorschriften für Versammlungsstätten nicht eingehalten sind. Nominell standen damit nur die rund 9.950 Sitzplätze auf der Süd- und Nordtribüne zur Verfügung. Eine Diskussion um die Sanierung einzelner Stehplatzbereiche setzt ein - auch vor dem Hintergrund des Stadionneubauprojektes eines niederländischen Investors. Zum ersten Heimspiel der Regionalliga-Saison 2013/2014 wird ein Teil der Westkurve ertüchtigt, indem der untere (ältere) Bereich der Kurve im Block R eingeebnet und vom oberen Teil (erbaut 1979) abgetrennt wird. Im Block R stehen seit dem ca. 3.150 Stehplätze zur Verfügung. Die nutzbare Gesamtkapazität des Stadions beträgt somit rund 13.100 Plätze.

Umgebaute Westkurve im Grotenburg-Stadion 2013
Blick auf den eingeebneten unteren Teil der Westkurve (Block R) im September 2013.
(Foto: Der kleinste Fanclub der Welt 1998)

2014/2015: Im Herbst 2014 beginnt die lange angekündigte Aufrüstung des “Käfig-Blocks” P mit Wellenbrechern. Nachdem bereits zwei Termine zur “Neueröffnung” verschoben wurden, sollte der Block beim letzten Heimspiel des Jahres gegen den 1. FC Köln II wieder geöffnet werden. Durch den witterungs-
bedingten Spielausfall verschob sich die Wiedereröffnung auf den 31.01.2015 (Nachholspiel gegen Köln). Durch die wieder verfügbaren 1.143 Plätze erhöht sich die nutzbare Zuschauerkapazität der Grotenburg auf rund 14.250 Plätze.

grotenburg_block_p_2015
Blick in den mit Wellenbrechern aufgerüsteten Block P auf der Südtribüne am 31.01.2015.
(Foto: Der kleinste Fanclub der Welt 1998)


Schematische Darstellung der Grotenburg nach der
Umrüstung des Stehplatzblocks P im Januar 2015.

Grotenburg Stadionschema 2015


2015: Leider kein Aprilscherz - in der Nacht zum 01.04. fegt das Sturmtief “Niklas” über Krefeld und beschädigt die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Südtribüne erheblich. Etwa 50 Module werden vom Tribünendach geweht und beschädigen unter anderem den im Schatten der Tribüne liegenden Kunstrasenplatz. Mitte Mai sind zumindest die Schäden am Kunstrasenplatz wieder behoben.

2016: Am 14.01. stirbt die “Stimme der Grotenburg” Otto Pütz im Alter von 81 Jahren. Zwischen 1970 und 1989 und damit in der erfolgreichsten Phase des Clubs war Pütz Stadionsprecher in der Grotenburg.

Fortsetzung folgt ...

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